RAID erklärt: Was du als NAS-Nutzer wirklich wissen musst
RAID (Redundant Array of Independent Disks) ist das meistmissverstandene Konzept beim NAS. Ich höre regelmäßig: „Ich habe RAID — meine Daten sind sicher." Das ist gefährlich falsch. Hier erkläre ich was RAID wirklich ist und was nicht.
Der wichtigste Satz zuerst: RAID ist kein Backup
RAID schützt vor Hardware-Ausfall einer Festplatte. Es schützt nicht vor:
- Versehentlichem Löschen
- Ransomware-Verschlüsselung
- Feuer, Wasser, Diebstahl
- Logischen Fehlern die sich auf alle Platten replizieren
Für echten Datenschutz brauchst du RAID plus ein externes Backup (externe HDD oder Cloud).
Die wichtigsten RAID-Level erklärt
RAID 0 — Geschwindigkeit, keine Redundanz
Daten werden auf beide Platten verteilt (Striping). Volle Kapazität beider Platten nutzbar, maximal schnell.
Problem: Fällt eine Platte aus — alle Daten weg. Ich empfehle RAID 0 für ein NAS grundsätzlich nicht.
Wann sinnvoll: Temporärer Speicher, Video-Rendering, wo Performance zählt und Verlust tolerierbar ist.
RAID 1 — Spiegelung — ideal für 2-Bay-NAS
Jede Datei wird auf beiden Platten gespeichert. Bei 2× 4 TB sind 4 TB nutzbar.
Vorteile:
- Einfachstes RAID
- Fällt eine Platte aus: NAS läuft normal weiter
- Schnelle Lesezugriffe
Nachteile:
- Nur 50% der Gesamtkapazität nutzbar
- Kein Schutz vor Datenverlust durch Fehler/Ransomware
Empfehlung: Für alle 2-Bay-NAS — die einzig sinnvolle Option.
RAID 5 — der Allrounder für 4-Bay
Daten + Paritätsinformationen werden auf alle Platten verteilt. Für 4× 4 TB: 12 TB nutzbar (75% der Gesamtkapazität).
Vorteile:
- Eine Platte darf ausfallen — NAS läuft weiter
- Effiziente Kapazitätsnutzung
- Standard für 4-Bay-NAS
Nachteile:
- RAID-Rebuild nach Plattenausfall dauert Stunden bis Tage
- Während Rebuild: erhöhtes Ausfallrisiko
- Mindestens 3 Platten nötig
Empfehlung: Standard für 4-Bay-NAS-Heimanwender.
RAID 6 — für kritische Daten
Wie RAID 5, aber mit doppelter Parität. Zwei Platten dürfen gleichzeitig ausfallen.
Empfehlung: Für Business-NAS und kritische Daten wo ein zweiter Ausfall während Rebuild realistisch ist.
RAID 10 — Performance + Redundanz
Kombination aus RAID 0 (Striping) und RAID 1 (Spiegelung). Mindestens 4 Platten.
Empfehlung: Für Datenbanken und VMs wo Performance und Redundanz gleich wichtig sind.
Welches RAID für welchen Einsatz?
| NAS-Typ | Empfohlenes RAID |
|---|---|
| 2-Bay Heimnetz | RAID 1 |
| 4-Bay Heimnetz | RAID 5 |
| 4-Bay Business | RAID 6 |
| 4-Bay Performance (Homelab) | RAID 10 |
| 6-Bay+ Business | RAID 6 |
SHR — Synologys eigener RAID-Modus
Synology bietet SHR (Synology Hybrid RAID) an — einen eigenen RAID-Modus der unterschiedlich große Festplatten optimal kombiniert.
Vorteil: Wenn du 2× 4 TB und 1× 6 TB kombinierst, nutzt SHR die unterschiedlichen Kapazitäten optimal. Normales RAID 5 würde alle Platten auf die kleinste herunterrechnen.
Empfehlung für Synology-NAS: SHR statt RAID 5 wenn du Platten unterschiedlicher Größe kombinierst.
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