TerraMaster F4-424 Pro im Test — Budget-Champion mit Premium-CPU
Das TerraMaster F4-424 Pro ist das Überraschungspaket 2026. Für knapp 389 Euro steckt ein Intel Core i3-N305 mit acht Kernen und 3,8 GHz Boost drin — eine CPU, die in dieser Preisklasse schlicht nicht erwartet wird. Dazu 8 GB DDR5, 4K Hardware Transcoding, zwei 2,5GbE-Ports und Hot-Swap. Auf dem Papier schlägt das TerraMaster das teurere QNAP TS-464 und kommt dem Synology DS923+ gefährlich nahe.
Aber — und das ist ein wichtiges Aber — die Software (TOS 5.x) hinkt weit hinter DSM und QTS her. Wer TerraMaster kauft, kauft Hardware. Die schwächere Software ist der Preis, den du für den günstigeren Einkaufspreis zahlst. Ob du das akzeptieren kannst, entscheidet, ob dieses NAS die richtige Wahl für dich ist.
Schnellübersicht
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| CPU | Intel Core i3-N305 (8 Kerne, 1,8–3,8 GHz) |
| RAM | 8 GB DDR5 (max. 32 GB) |
| Laufwerksschächte | 4× 3,5″/2,5″ SATA |
| M.2-Slots | 2× NVMe |
| Netzwerk | 2× 2,5GbE |
| Hot-Swap | Ja |
| Betriebssystem | TerraMaster TOS 5.x |
| Docker | Ja |
| VM-Support | Ja |
| 4K Plex Transcoding | Ja (Intel iGPU) |
| Lautstärke | 23 dB(A) |
| Garantie | 2 Jahre |
| Preis (ca.) | 389 € |
Einleitung: Warum ist das so günstig?
TerraMaster ist ein chinesischer Hersteller, der in Europa weniger bekannt ist als Synology oder QNAP — aber seit Jahren in der Budget-NAS-Nische erfolgreich ist. Das Geschäftsmodell: aggressiver Hardwarepreis, Einsparen bei Software-Entwicklung und Support-Infrastruktur.
Der i3-N305 ist Intels Alder-Lake-N-Architektur — eine 10nm-Efficient-Plattform, ursprünglich für Laptops und Mini-PCs entwickelt. Acht Efficient-Kerne, kein Hyper-Threading, aber hoher Turbo-Boost (3,8 GHz) und eine Intel UHD Graphics iGPU für Hardware Transcoding. TerraMaster hat diesen Chip als einer der ersten NAS-Hersteller in ein Consumer-NAS verbaut — Synology und QNAP bieten in dieser Preisklasse noch ältere Plattformen.
Auf dem Papier ist das F4-424 Pro das stärkste NAS unter 400 Euro. In der Praxis kommt es auf mehr als die Hardware an.
Für wen ist das F4-424 Pro?
Kaufen, wenn du:
- maximale CPU-Leistung für minimalen Preis willst
- 4K Hardware Transcoding brauchst und Software-Kompromisse akzeptierst
- bereit bist, mehr Zeit in die Konfiguration zu investieren
- Plex, Jellyfin oder andere Medienserver betreiben willst
- mit einer kleineren Community klarkommst
Nicht kaufen, wenn du:
- erstklassige Software (DSM) oder etablierte Software (QTS) erwartest
- auf umfangreichen App-Support angewiesen bist
- schnellen Hersteller-Support bei Problemen brauchst
- ECC-RAM für kritische Daten benötigst
- ein Unternehmen betreibst und Zuverlässigkeit über Preis priorisierst
- zum ersten Mal ein NAS kaufst
Design & Verarbeitung: Funktional, ohne Premium-Anspruch
Das Gehäuse: 168 × 170 × 220 mm, unter 2 kg ohne Laufwerke. Überwiegend Kunststoff mit Metallelementen — nicht so hochwertig wie das QNAP TS-464, aber für den Preis akzeptabel.
Vier Hot-Swap-fähige Laufwerksschächte, werkzeuglos für 3,5-Zoll-Laufwerke. Die Mechanismen wirken etwas weniger robust als bei Synology oder QNAP, sind aber funktional und in der Praxis zuverlässig. Vorderseite: Power-Button, Reset-Button, USB 3.2 Typ-A und Status-LEDs. Rückseite: zwei 2,5GbE-Ports, zwei USB 3.0 Typ-A, HDMI 2.0 und Netzteil.
Der HDMI-Ausgang ermöglicht direkte Wiedergabe am TV — die zugehörige TerraMaster-App ist aber weniger ausgereift als QNAPs Lösung.
Kühlung: Der leiseste der vier getesteten NAS
Mit gemessenen 23 dB(A) ist das F4-424 Pro leiser als das QNAP TS-464 (24,1 dB) und deutlich leiser als das DS923+ (26,4 dB). Nur das DS224+ (19,7 dB) ist noch leiser. Zwei 70-mm-Lüfter sorgen für ausreichend Luftstrom. Unter Last (Transcoding + RAID-Rebuild): ca. 28–30 dB — noch akzeptabel.
Hardware: Hier überzeugt TerraMaster deutlich
CPU: Intel Core i3-N305 — Der Überraschungsstar
Acht Kerne mit bis zu 3,8 GHz Boost. Das ist mehr als doppelt so viele Kerne wie der Ryzen R1600 im DS923+ und deutlich mehr als der N5105 im QNAP TS-464:
| CPU | Kerne | Boost-Takt | iGPU | TDP |
|---|---|---|---|---|
| Intel Celeron J4125 (DS224+) | 4 | 2,7 GHz | Ja (UHD 600) | 10W |
| AMD Ryzen R1600 (DS923+) | 2 | 3,1 GHz | Nein | 25W |
| Intel Celeron N5105 (TS-464) | 4 | 2,9 GHz | Ja (UHD) | 10W |
| Intel Core i3-N305 (F4-424 Pro) | 8 | 3,8 GHz | Ja (UHD) | 15W |
Der i3-N305 ist energieeffizient (15W TDP), hat eine leistungsstarke iGPU für Hardware Transcoding und genug Kerne für parallele Workloads. Bei Docker, VMs, Plex und gleichzeitigem Dateiserver-Betrieb läuft alles flüssig — der CPU ist deutlich weniger ausgelastet als bei den Konkurrenten.
RAM: 8 GB DDR5 — Moderner als die Konkurrenz
DDR5 ist ein Alleinstellungsmerkmal des F4-424 Pro. Alle Konkurrenten in dieser Preisklasse setzen auf DDR4. In der Praxis ist der Performance-Unterschied für typische NAS-Aufgaben gering — aber DDR5 bietet höhere Bandbreite und ist zukunftssicherer. Maximum: 32 GB DDR5 — gleich viel wie beim DS923+, mehr als beim TS-464 (max. 16 GB).
Netzwerk: 2× 2,5GbE
Zwei 2,5-Gigabit-Ethernet-Ports — gleich wie beim QNAP TS-464, besser als der Synology DS923+ (nur 1GbE). Link Aggregation für theoretisch ~5 Gbit/s möglich. Für mehrere gleichzeitige Nutzer oder große Dateitransfers ein spürbarer Vorteil.
Software: TOS 5.x — Ehrliche Bestandsaufnahme
Was TOS kann
TOS 5.x bietet alle Grundfunktionen eines modernen NAS-Betriebssystems:
- Dateifreigabe (SMB, NFS, AFP)
- RAID-Management (0, 1, 5, 6, 10)
- Docker-Container-Verwaltung (Container Manager)
- VM-Manager (Grundfunktionen)
- Surveillance Station (NVR)
- Cloud-Sync und externe Backups
- Btrfs-Dateisystem mit Snapshots
Was TOS nicht kann — oder nur schlecht
Hier muss klar gesprochen werden:
App-Ökosystem: Das TerraMaster App Center bietet deutlich weniger Pakete als Synology (100+) oder QNAP (200+). Viele nützliche Drittanbieter-Apps fehlen oder müssen manuell als Docker-Container betrieben werden. Für erfahrene Linux-Nutzer kein Problem — für Einsteiger frustrierend.
Benutzeroberfläche: TOS sieht modern aus, aber die UX ist inkonsistent. Manche Bereiche sind gut umgesetzt, andere wirken wie unfertige Baustellen. Die deutsche Lokalisierung enthält Fehler.
Stabilität und Updates: Firmware-Updates kommen langsamer als bei Synology oder QNAP. In Foren (Reddit r/TerraMaster, r/homelab) finden sich gelegentlich Berichte über Bugs nach Updates. Grundsätzliche Stabilität ist gegeben — aber der Reifegrad ist geringer.
Support: Der offizielle TerraMaster-Support ist langsamer und weniger hilfreich als Synology oder QNAP. Antwortzeiten von mehreren Tagen sind keine Seltenheit. Die Community ist kleiner — bei spezifischen Problemen kann die Lösungssuche länger dauern.
Docker: Container Manager funktioniert, aber weniger elegant als Synologys Container Manager oder QNAPs Container Station. Docker Compose wird unterstützt, aber die GUI ist weniger ausgreift.
Dokumentation: Deutlich weniger ausführlich als Synology (mit exzellenter Wiki und offiziellen Anleitungen) oder QNAP. Viele Lücken in der deutschen Dokumentation.
Ehrlicher Software-Vergleich
| Kriterium | TOS | QTS | DSM |
|---|---|---|---|
| Benutzerfreundlichkeit | ★★★☆☆ | ★★★★☆ | ★★★★★ |
| App-Ökosystem | ★★★☆☆ | ★★★★☆ | ★★★★★ |
| Stabilität | ★★★☆☆ | ★★★★☆ | ★★★★★ |
| Sicherheits-Updates | ★★★☆☆ | ★★★☆☆ | ★★★★★ |
| Docker/Container | ★★★☆☆ | ★★★★☆ | ★★★★☆ |
| Community | ★★☆☆☆ | ★★★★☆ | ★★★★★ |
TOS holt auf — aber es fehlen noch 2–3 Jahre Entwicklung, um mit DSM oder QTS gleichzuziehen.
4K Plex Transcoding: Stärker als der TS-464
Die Intel UHD Graphics des i3-N305 ist leistungsstärker als die des N5105 im TS-464:
| Szenario | Ergebnis |
|---|---|
| 4K H.265/HEVC Hardware Transcoding | Ja |
| Gleichzeitige 4K-Streams | 3–4 |
| 1080p-Streams gleichzeitig | 5–6 |
| CPU-Last bei 4K HW Transcoding | ~20–30% |
Für Plex: Plex Pass erforderlich für Hardware Transcoding. Alternativ Jellyfin nutzen — kostenlos und unterstützt Hardware Transcoding via VA-API ohne zusätzliche Kosten.
Performance: Klassenbester in der Hardware
| Test | Ergebnis |
|---|---|
| Sequenzielles Lesen (SMB, 2,5GbE) | ~290 MB/s |
| Sequenzielles Schreiben (SMB) | ~275 MB/s |
| 4K Random Lesen | ~65 MB/s |
| 4K Random Schreiben | ~52 MB/s |
Die acht Kerne des i3-N305 zahlen sich bei parallelen Workloads aus: Gleichzeitiger Betrieb von Plex Transcoding, mehreren Docker-Containern und Datei-Transfers überfordert den CPU nicht — die Last verteilt sich gut auf die acht Kerne.
Fazit: Beste Hardware unter 400 Euro — Software ist der Kompromiss
Das TerraMaster F4-424 Pro bietet die stärkste Hardware in seiner Preisklasse. Für 389 Euro bekommst du den leistungsstärksten CPU (i3-N305, 8 Kerne, 3,8 GHz), modernes DDR5-RAM, schnelles 2,5GbE und 4K Hardware Transcoding. Das schlägt alles in dieser Preisklasse.
Der Kompromiss ist real: TOS ist nicht DSM. Die Software-Qualität, das App-Ökosystem, die Community und der Support sind schwächer als bei Synology oder QNAP. Das ist keine Katastrophe — aber es ist eine ehrliche Einschränkung.
Kaufempfehlung für: Technisch erfahrene Nutzer, Homelab-Enthusiasten, Plex/Jellyfin-Nutzer die sparen wollen.
Nicht empfohlen für: Einsteiger, Unternehmen, Nutzer die auf spezifische DSM- oder QTS-Apps angewiesen sind.
Wer TOS nicht zutraut: Das QNAP TS-464 bietet ähnliche Hardware mit besserer Software für 110 Euro Aufpreis.
Alternativen
QNAP TS-464 (~499 €)
Ähnliche Hardware, bessere Software (QTS), 110 Euro mehr. Für Nutzer, die keine Software-Kompromisse eingehen wollen.
Synology DS923+ (~579 €)
ECC-RAM, DSM, keine iGPU. Für Nutzer, die Software über Hardware priorisieren.
TerraMaster F4-424 (ohne Pro)
Günstiger, schwächere CPU (N5095). Für TerraMaster-Fans mit geringerem Budget.

