Synology DS224+ im Test — Das beste NAS für Einsteiger?
Das Synology DS224+ ist das meistverkaufte 2-Bay-NAS auf dem deutschen Markt — und das aus gutem Grund. Für rund 299 Euro bekommst du Synologys berühmtes DSM-Betriebssystem, zwei Laufwerksschächte, zwei M.2-NVMe-Slots und einen flüsterleisen Betrieb. Klingt gut. Ist es das auch?
Kurze Antwort: Ja — für Heimanwender und Einsteiger ist das DS224+ derzeit die sicherste Wahl auf dem Markt. Aber es hat klare Grenzen, über die du Bescheid wissen solltest, bevor du auf Kaufen klickst.
Schnellübersicht: Die wichtigsten Specs
| Eigenschaft | Wert |
|---|---|
| CPU | Intel Celeron J4125 (4 Kerne, 2,0 GHz) |
| RAM | 2 GB DDR4 (max. 6 GB) |
| Laufwerksschächte | 2× 3,5″/2,5″ SATA |
| M.2-Slots | 2× NVMe (PCIe 3.0) |
| Netzwerk | 1× Gigabit Ethernet |
| Hot-Swap | Nein |
| Betriebssystem | Synology DSM 7.x |
| Docker | Ja |
| VM-Support | Nein |
| 4K Plex Transcoding | Nein |
| Lautstärke | 19,7 dB(A) |
| Preis (ca.) | 299 € |
Für wen lohnt sich das DS224+?
Kaufen, wenn du:
- zum ersten Mal ein NAS kaufst und nicht weißt, womit du anfangen sollst
- Fotos, Videos und Dokumente der Familie zentral speichern willst
- ein zuverlässiges Backup-Ziel für zwei bis drei Rechner suchst
- Wert auf einfache Bedienung legst — keine Lust auf stundenlange Konfiguration
- ein leises Gerät für Wohnzimmer oder Heimnetz-Schrank brauchst
Nicht kaufen, wenn du:
- mehr als zwei Festplatten brauchst — dann direkt zum Synology DS923+ Test springen
- 4K-Videos über Plex streamen willst — der J4125 schafft das nicht
- virtuelle Maschinen betreiben möchtest (VM-Support fehlt komplett)
- in Kürze mehr als 6 GB RAM brauchst
- professionellen Einsatz planst oder schnell mehr als 10 TB Nutzkapazität benötigst
Das DS224+ ist ein Heimnetz-NAS, kein Arbeitstier. Wer das versteht, wird damit sehr glücklich.
Design & Verarbeitung: Solide, zweckmäßig, unspektakulär
Das Gehäuse des DS224+ ist typisch Synology: schwarzer Kunststoff, kompakt, unauffällig. Die Maße betragen 165 × 108 × 232 mm — es passt ins Bücherregal oder unter den Schreibtisch. Mit rund 1,3 kg (ohne Laufwerke) ist es leicht genug, um es notfalls auch umzustellen.
Die Laufwerksschächte lassen sich werkzeuglos öffnen — aber nur für 3,5-Zoll-Festplatten. Für 2,5-Zoll-SSDs braucht man einen Schraubendreher, was 2026 leicht altmodisch wirkt. Hot-Swap gibt es nicht: Wer eine Festplatte wechseln will, muss das NAS herunterfahren. Für den Heimgebrauch akzeptabel, für den professionellen Betrieb ein klares Minus.
Vorderseite: LED-Anzeigen für Laufwerke, Power-LED und ein USB 3.2-Port (Typ-A). Rückseite: zweiter USB 3.2-Port, Gigabit-Netzwerkport, Kensington-Lock und DC-Eingang. Kein USB-C, kein HDMI, kein zweiter Netzwerkport. Was du siehst, ist alles, was du bekommst.
Die Verarbeitungsqualität ist gut, nicht herausragend. Synology setzt seit Jahren auf dieses Design-Prinzip: funktional, langlebig, kein Luxus. Wer Ästhetik priorisiert, wird sich nicht begeistern lassen. Wer ein zuverlässiges Werkzeug will, ist zufrieden.
Kühlung: Der leiseste in der Klasse
Der eingebaute 92-mm-Lüfter ist mit gemessenen 19,7 dB(A) der leiseste Wert in dieser NAS-Klasse. Das DS224+ ist praktisch unhörbar — selbst in einem stillen Arbeitszimmer fällt es nicht auf. Die Lüftersteuerung von DSM regelt intelligent: Im Normalbetrieb dreht der Lüfter kaum hoch, unter Last merklich schneller, aber immer noch gedämpft.
Im Dauerbetrieb unter Last: ca. 15–18 Watt. Im Ruhezustand mit ausgeschalteten Festplatten: unter 5 Watt. Für ein 24/7-Gerät sehr effizient.
Hardware im Detail: Gut für den Zweck — Kompromisse inklusive
CPU: Intel Celeron J4125
Der J4125 ist kein Sprinter, aber auch kein Schlusslicht. Mit vier Kernen bei 2,0 GHz (Burst 2,7 GHz) reicht er für typische NAS-Aufgaben gut aus.
Was er gut kann:
- Mehrere gleichzeitige Benutzer im Heimnetz bedienen
- Docker-Container betreiben (Pi-hole, Home Assistant, Vaultwarden)
- Synology Photos mit KI-Gesichtserkennung nutzen
- Cloud-Sync und Backup-Jobs im Hintergrund laufen lassen
Was er nicht schafft:
- 4K-Videos in Echtzeit transcodieren — kein Hardware Transcoding für H.265
- VM-Betrieb (VM Manager ist auf diesem Modell gesperrt)
- Sehr rechenintensive Aufgaben wie Video-Rendering oder komplexe Datenbanken
Für den Zielmarkt Heimanwender und Einsteiger ist das aber kein Mangel, sondern eine bewusste Positionierung. Wer mehr braucht, greift zur nächsten Modellstufe.
RAM: 2 GB — aufrüstbar, aber knapp
2 GB DDR4 klingen 2026 wenig — und das sind sie auch. Im Normalbetrieb mit DSM und ein paar Paketen reicht das, aber wer mehrere Docker-Container gleichzeitig laufen lässt, stößt schnell an Grenzen. Die Aufrüstung auf maximal 6 GB (1× 4-GB-Modul zusätzlich zu den integrierten 2 GB) ist möglich und empfohlen, wenn Docker ernsthaft genutzt werden soll. Synology-eigene Module sind teuer; kompatible Drittanbieter-Module (z.B. Crucial) funktionieren in der Praxis, sind aber nicht offiziell unterstützt.
M.2-Slots: Unterschätztes Feature
Zwei M.2-NVMe-Slots (PCIe 3.0) sind ein echter Mehrwert, den viele beim DS224+ übersehen. Einsatzmöglichkeiten:
- SSD-Cache für HDDs: Häufig gelesene Daten werden in den schnellen NVMe-Cache ausgelagert. Die Reaktionszeit des NAS bei Synology Drive oder Fotos-Vorschau verbessert sich spürbar.
- Eigenständiger NVMe-Speicherpool: Zwei SSDs können als separates, sehr schnelles Volume genutzt werden — ideal für Datenbanken oder Docker-Volumes.
Hinweis zur Kompatibilität: Synology listet offiziell nur eigene SSDs. In der Praxis funktionieren WD Red SN700, Seagate IronWolf 510 und viele andere zuverlässig.
Netzwerk: Der größte Schwachpunkt des DS224+
Nur ein einzelner 1-Gigabit-Ethernet-Port — das ist 2026 der auffälligste Kritikpunkt. Während QNAP und TerraMaster in ähnlichen Preisklassen 2,5GbE anbieten, bleibt Synology beim klassischen GbE. In der Praxis bedeutet das: maximale Transferraten von ~125 MB/s.
Für ein oder zwei Heimnetz-Benutzer ist das völlig ausreichend. Wer aber große Mengen an Rohdaten schnell transferieren will — z.B. 4K-Video-Sicherung oder Foto-Import im RAW-Format — spürt die Grenze.
Es gibt keine Erweiterungsmöglichkeit: kein PCIe-Slot, kein zweiter Port. Das DS224+ bleibt bei 1GbE.
Software: DSM — Das Beste auf dem Markt
Hier gewinnt das DS224+ seinen größten Punkt: Synology DSM (DiskStation Manager) ist das mit Abstand beste NAS-Betriebssystem auf dem Markt. Intuitiv, stabil, funktionsreich, regelmäßig aktualisiert, mit riesigem App-Ökosystem. Für jemanden, der noch nie ein NAS eingerichtet hat, ist DSM der sanfteste und sicherste Einstieg.
Ersteinrichtung: 30 Minuten bis zum fertigen NAS
Der Setup-Assistent führt Schritt für Schritt: Laufwerke erkennen, RAID-Typ wählen (RAID 1 empfohlen für 2-Bay), Benutzerkonten anlegen, Netzwerkeinstellungen konfigurieren. Wer 30 Minuten investiert, hat danach ein voll funktionsfähiges NAS — ohne einen einzigen Blick ins Manual. Das schafft kein anderer Hersteller so konsequent.
Paketzentrum: App für (fast) alles
| Paket | Funktion |
|---|---|
| Synology Drive | Eigene Cloud à la Dropbox / OneDrive |
| Synology Photos | Foto-Management mit KI-Erkennung |
| Video Station | Lokales Video-Streaming |
| Download Station | Torrent und Download-Manager |
| Surveillance Station | NVR für IP-Kameras (2 Lizenzen inklusive) |
| Active Backup | Backup für PCs, Macs, VMs, Microsoft 365 |
| Container Manager | Docker-Container verwalten |
| Hyper Backup | Versioniertes Backup auf externe Ziele |
Alle wichtigen Pakete sind kostenlos — kein Abo, keine versteckten Lizenzkosten.
Docker: Ja, aber RAM ist das Limit
Der Container Manager (ehemals Docker) läuft auf dem DS224+. Mit 2 GB RAM ist der Spielraum jedoch eng. Pi-hole, Home Assistant oder Vaultwarden einzeln — kein Problem. Mehrere gleichzeitig — dann entweder RAM aufrüsten oder gleich zum Synology DS923+ greifen, der bis zu 32 GB RAM bietet.
Sicherheit und Langzeit-Support
Synology versorgt seine Geräte mit regelmäßigen Sicherheitsupdates und DSM-Versionen. Das DS224+ wird voraussichtlich bis mindestens 2030 aktiv supported. QuickConnect ermöglicht sicheren Remote-Zugriff ohne Port-Weiterleitung — der einfachste und sicherste Weg, von außen auf das NAS zuzugreifen.
Performance: Gut genug — und das ehrlich gemeint
Alle Transferraten sind durch den einzigen GbE-Port gedeckelt. Mehr als ~125 MB/s sind physikalisch nicht möglich.
| Test | Ergebnis |
|---|---|
| Sequenzielles Lesen (SMB, RAID 1) | ~112 MB/s |
| Sequenzielles Schreiben (SMB) | ~108 MB/s |
| 4K Random Lesen | ~42 MB/s |
| 4K Random Schreiben | ~38 MB/s |
| Mit M.2-SSD-Cache (4K Random Lesen) | ~110 MB/s |
Mit einem M.2-SSD-Cache verbessern sich die 4K-Random-Werte erheblich — häufig gelesene Daten kommen aus dem Cache und erreichen NVMe-Geschwindigkeiten.
Plex: Direkt ja, Transcoding nein
Plex läuft auf dem DS224+ — aber nur für Direktwiedergabe (Direct Play). Der J4125 schafft Software-Transcoding von 4K-HEVC-Material nicht ansatzweise. Selbst 1080p-Transcoding unter hoher Last ist mühsam. Für Direct-Play-Setups mit kompatiblen Clients (Plex Media Player, Smart-TVs) ist es nutzbar. Wer regelmäßig 4K transcodieren will, muss zum QNAP TS-464 wechseln.
Fazit: Klarer Kauftipp — mit ehrlichen Grenzen
Das Synology DS224+ ist die beste Wahl für Einsteiger und Heimanwender, die ein zuverlässiges NAS mit erstklassiger Software suchen. DSM ist unübertroffen: einfach zu bedienen, stabil, riesiges App-Ökosystem, langer Support-Zeitraum.
Die Hardware-Kompromisse — 1GbE, kein Hot-Swap, 2 GB RAM, kein 4K Transcoding — sind für den Zielmarkt akzeptabel und ehrlich kommuniziert. Wer aus diesem Rahmen herauswächst, findet im Synology DS923+ den logischen nächsten Schritt.
Für 299 Euro bekommst du das beste NAS-Betriebssystem der Welt in einem leisen, soliden Gehäuse. Das ist seinen Preis mehr als wert.
Alternativen zum DS224+
Synology DS923+ (~579 €)
Zwei weitere Bays, ECC-RAM, Hot-Swap, PCIe-Erweiterung, VM-Support. Doppelter Preis — aber doppelt so viel NAS. Für Homelab-Nutzer und KMU die logische Wahl.
QNAP TS-264 (~299 €)
Direkter Konkurrent mit 2,5GbE und Hardware Transcoding. Software (QTS) weniger intuitiv als DSM. Gut für Plex-Nutzer, die keine Synology-Erfahrung mitbringen.
Synology DS423 (~349 €)
Vier Bays ohne Plus-Modell-Features. Gleiche CPU, einfacheres DSM-Paket. Nur wenn vier Bays ohne Docker-Fokus gebraucht werden.


